Wolfgang und sein Volvo 240

Was macht man als 19 Jähriger Azubi ohne Geld und überdurchschnittlich viel Stil? Man kauft sich 'nen 240er Volvo und motzt ihn so richtig auf! Wolfgang hat das zumindest so gehandhabt und lag goldrichtig damit! Und das ganz ohne Cordsacko.

Gleich zu Anfang: Nichts gegen Cordsackos. Ich liebe Cordsackos. Und wenn ich gerade keinen Mantel trage, trage ich ein ebensolches. Damit passe ich auch schon perfekt in die Volvo 240er Liebhaberecke, denn - tatsächlich - er gehört seit ewig und drei Tagen zu meinen Favoriten. Und als ich Wolfgangs 240 im Fusselforum sah, musste ich ihn unbedingt porträtieren. Das Problem war nur, dass der Wagen samt Besitzer irgendwo in Bayern herumlungert und damit vollkommen außerhalb meiner Reichweite lag. Wolfgang ließ sich aber nicht lumpen und setzte sich mit seinem Kollegen Jano zusammen und organisierte ein Shooting. Dabei sind die wunderschönen, stimmungsvollen Bilder entstanden die ihr hier seht. Zum Fotografen schreibe ich aber später noch etwas. Jetzt soll es erst mal um das Auto gehen.

Wie eingangs erwähnt, kaufte sich Wolfgang den Wagen als junger Stöpke. Während der Durchschnitts-Fahranfänger feucht von 'ner geilen Karre träumt und nach dem Erwachen die GFK-Schürze an den Polo 6N schraubt, macht Wolfgang Nägel mit Köpfen und erfüllt sich zum 19. Geburtstag einen Kindheitstraum. Damals konnte der KFZ-Mechaniker Lehrling den Wagen noch nicht unterhalten und restaurierte ihn erst mal ein knappes Jahr bevor er ihn fahren konnte. Aber das nimmt man gerne in Kauf, wenn man sich einen Traum mit viel Herzblut erfüllt.
Volvo 240 mit brachialen 116 PS aus 2,3 Litern Hubraum. Für viele nicht nachvollziehbar, aber ich bekomme gerade eine Gänsehaut. Wer jemals mit so einem Auto gefahren ist und es gut fand, weiß warum. Ganz klar, Temperament sieht anders aus. Aber man hat das Gefühl in einem Panzer zu sitzen. Wenn die Tür satt in's Schloss fällt kommt kein Auto, auch kein Mercedes, mehr mit. Wenn der knorrige Motor zum Leben erwacht, macht sich umgehend das Gefühl von absolutem Vertrauen breit. Umgeben von perfekter "Lego-Behaglichkeit".
Nicht umsonst ist der 240 inzwischen offizielles Kulturgut. Und wie kaum ein anderer PKW der Mittelklasse, welcher bis in die 90er gebaut wurde, erfährt er einen Wertzuwachs von dem europäische Staatsanleihen nur träumen können. Zum Glück schlug Wolfgang früh genug zu und begann auch gleich mit den Umbauten. Dabei setzte er komplett auf "OEM". Nie gehört? OEM, "Original Equipment Manufacturer", bedeutet im Grunde einfach ein Auto nur mit konzerneigenen Teilen umzubauen. Sehr beliebt ist dies zur Zeit in der VW/Audi-Szene, da hier auf ein großes Sortiment zurückgegriffen werden kann. Zum Beispiel Bugatti 21"-Felgen an einen Golf 3 basteln, um nur einen der aktuellen Trends zu nennen. Da Volvo damals ziemlich allein auf weiter Flur stand und moderne Fordparts nicht unbedingt passen würden, machte sich der heutige Industriemechaniker auf die Teilesuche.
Man muss dazu wissen, dass die Amis mindestens genauso scharf auf den Schweden sind wie die Schweden selber. Und so kam es teilweise zu absurden Situationen. Das eine oder andere Teil ließ sich Wolfgang regulär aus den Staaten einschiffen, manches bekam er nur über Umwege. Die Reflektorblende zwischen den Heckleuchten fand er zwar in dem US-Forum, hinter dem Deal steckte allerdings ein Schwede, welcher die Teile in die USA exportiert. Also als Deutscher in den USA gesucht und dort gefunden, aber aus Schweden zugeschickt. Hoch lebe das Internet.
Aber auch ansonsten montierte der Bayer viel Zubehör, welches heute nicht einmal mehr für Geld und gute Worte erhältlich wäre. Ein dezentes Detail ist der Lederbezug für den Faltenbalg des Schalthebels. Den gab es so nur für den Volvo Bertone, ihr wisst schon, der mit dem Top Chop ab Werk. Da Wolfgang eine tief sitzende Abneigung gegen orange Blinker hat, tauschte er diese gegen weiße. Außerdem hielten ein Heckscheibenrollo, diverse seltene Fahrwerksparts und eine Sportauspuffanlage von Simons Einzug. All das verbaute Zubehör aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Wichtig zu wissen ist nur Folgendes: Alles original Volvo oder zumindest über Volvo seinerzeit vertrieben. So kommt ein sehr harmonisches Gesamtbild zustande. An sich fehlen ja nur noch US-Scheinwerfer.
Um das ganze stilgerecht in Szene zu setzten, wurde oben genannter Jano mit seiner Kamera bemüht. Im richtigen Leben lautet sein Name Jan und er ist Spezialist für Konzertfotografie. Was er allerdings auch nur als Hobby betreibt. Der Mann hat leider einen sehr engen Terminplan und musste sich für das Shooting erst mal was freischaufeln. Aber als es dann klappte war ich ganz ehrlich sprachlos! Vielen Dank für die schönen Bilder und dass du uns damit die Chance gibst, diesen deliziösen Schweden gebührend zu feiern.
Und Wolfgang: Auch wenn du keine Cordsackos trägst, Lederjacken passen ja auch ganz gut zu deiner Karre.


Text: CW
Bilder: JANO
Gegengelesen: DRB/VH



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