Bernd „KLE“ Franks Fiat Panda

Manchmal bindet man sich Dinge ans Bein, bei denen man sich wenig später fragt, warum man das nur gemacht hat. So geht es Bernd mit seiner „Sackratte“. Ein mit Sackleinen bezogener Fiat Panda. Es folgt eine Geschichte über Leid, Ehre, Hass und ein klein wenig Liebe.



„Jedes Auto ist erstmal eine Basis.“
Ui, ich kann mich noch gut daran erinnern, als Bernd auf seinem Blog das erste Mal über den Fiat berichtete. Da war durchaus Skepsis in der regen Leserschaft vorhanden.
„Warum kauft der sich jetzt 'nen Fiat?“
Jemand, der unter anderem durch extreme Umbauten diverser Passat und dem ruchlosesten Mercedes /8 Leichenwagen Deutschlands eine gewisse Bekanntheit erlangte, fährt nun einen Schuhkarton? In einem dem stetigen Aufschwung gewidmeten Land ist das schwer nachvollziehbar.
Zunächst: KLE und Fiat Panda. Das ist kein unbeschriebenes Blatt. Sein erstes Auto war einer dieser kleinen Italienern. Darum wusste er, auf was er sich einlässt. Auf nie enden wollendes Leid. Dazu aber später mehr. Zweitens: Man kann sich bei ihm darauf verlassen, dass er selbst aus dem „letzten Scheiß“ etwas total Kreatives zusammenschustert. So auch aus dem Fiat. Ich vermute übrigens in diesem Zusammenhang, dass es KLE genetisch unmöglich ist, einen Gegenstand so zu belassen wie er ihn bekommen hat. Allen voran Autos.
 Und während die skeptische Leserschaft den einen oder anderen „Hater-Kommentar“ verfasste, beschloss ich, mich zurückzulehnen und die Show zu genießen. Das Problem an Projekten von Dritten, die man lediglich als Beobachter verfolgt, ist ja folgendes: Man hat einfach nicht das Bild im Kopf, welches der Besitzer des Projektes hinter der Fontanelle hat. Und wenn man dann wochenlang den Aufbau passiv verfolgt, denkt man sich oft, dass das ja nix werden kann. Oh, was hab ich damals den Kopf geschüttelt, als Bernd seinen Pirat gebaut hat. Das Projekt fand ich alles andere als gelungen, bis die Karre beinahe fertig war und nur noch Details fehlten. Und da musste ich mir eingestehen, dass der Schlitten doch ganz schön genial geworden ist.
 Und so ist das auch beim Panda gewesen. Nur das ich dieses Mal schlauer war und abwartete, bevor ich urteilte. Und nun zurück zum Panda. Das sind ja eher Autos für Puristen. Manche würden sogar sagen Masochisten. Wobei ich grundsätzlich zum positiveren Attribut tendiere, muss man leider im Falle dieses speziellen Exemplars sagen, dass es sich um die Hölle auf Rädern handelt. Zunächst musste der Fiat durch den TÜV, altwagenübliche Reparaturen und ein paar eingenietete Bleche später war das vergleichsweise problemlos abgehandelt und der Aufbau konnte losgehen.
Als erstes wurde der ehemals signalrote Italiener beige gerollt. Dann experimentierte Bernd mit verschiedenen Sorten Sackleinen, mit denen letzten Endes das ganze Fahrzeug bezogen wurde. Neun Liter Klarlack gingen noch drauf, um das Gewebe zu konservieren, bis dann die Details folgten. Der Innenraum wurde auch gehörig in die Mangel genommen. Beispielsweise mussten neue Sitze her, damit der 2-Meter-Mann überhaupt anständig im Fiat Platz nehmen konnte. Und damit es standesgemäß und auch ein wenig dekadent wird, entschied man sich für beige Ledersessel. Ursprünglich sollten das Jaguarsitze sein, aber nachdem der Verkäufer die schon weggeben hatte, bekam Bernd einen Satz Alfa-Hocker aus Leder. Gleicher Preis, besserer Zustand. Auch nicht übel!
An sich werden wir dem gesamten Umbau hier gar nicht gerecht. Aber so ist das ja immer. Too much to list. Wenn ich jetzt anfange die ganzen Details, wie die Vorfaceliftstoßstangen und Fiat 131 Felgen aufzuzählen, da wären wir nächste Woche noch nicht fertig. Erschwerend kommt der Umstand hinzu, dass jedes Bauteil seine eigene Geschichte erzählen könnte. Doch Moment, jedes Bauteil hat dank des Blog-Logbuchs ja seine eigenen Geschichte. Puh, Glück gehabt, dann muss ich nicht alles wiederholen.
Nach all diesen Umbauten war die „Sackratte“ an sich fertig. Aber Ratten treiben sich ja gerne in Katakomben und Hallen herum. Und darum wollte dieses spezielle Exemplar wohl auch nicht seinen Bau verlassen und entschied sich kontinuierlich kaputt zu gehen. Ob nun der Motor nicht richtig lief oder das Auto rollig wurde und sich mit anderen Ratten paaren wollte. Der Wagen schien bis in die kleinste Schraube verhext zu sein. Jeder andere hätte diesen Haufen direkt in den Schredder gegeben. Doch nicht Bernd. Dem ging es an die Ehre und er beschloss, sich nicht verarschen zu lassen. Nicht von einem Fiat.

Darum passt das Ende auch perfekt: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schrauben sie noch heute...!

Text/Fotos: CW Korrektur: DRB


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